Es ist die Ein-Millionen-Dollar-Frage, mit der sich hartgesottene Galoppfans alle Jahre beschäftigen, kaum ist das Derby-Meeting in Hamburg im Juli vorbei. Erste Siege von meist noch unreifen zweijährigen Pferden werden genau beäugt und auf ihr Derby-Potential bewertet. Vereine wie der Galoppclub Iffezheim veranstalten seit Jahrzehnten „Derby-Pools“, bei denen die Mitglieder sich aus der großen Schar der Derby-Nennungen „ihren“ Derbystarter ersteigern können. Nur ein kleines Beispiel für die Faszination, die das „Rennen der Rennen“ ausübt.

 

Um sich der Frage nach dem Sieger formgerecht zu nähern, haben sich in der Vergangenheit Vorbereitungsrennen herauskristallisiert, die den Kreis der möglichen Gewinner meist recht gut einschränkt. Das wichtigste und aufschlussreichste dieser „Derby Trials“ ist ohne Frage das Oppenheim-Union-Rennen, das am Sonntag, 19. Juni, in Köln-Weidenpesch gelaufen wird. Es hat nicht nur eine ungeheure Tradition – erstmals wurde es 1834 auf der Rennbahn in Berlin-Tempelhof ausgetragen, als dort noch Vollblüter und keine Flugzeuge kreisten. Es hat auch einen enormen sportlichen Stellenwert: Der Blick in die Siegerlisten zeigt eine lange Reihe von erfolgreichen Derby-Kandidaten. Somit ist das Gruppe 2-Rennen über 2.200m ein sehr berechtigtes Mitglied im erlesenen Kreis der German Racing Champions League. Im dritten Lauf der neuen Rennserie treten nun erstmals die Dreijährigen auf den Plan. Hier und im Derby sind sie unter sich, danach kommt es dann zum immer wieder spannenden Vergleich mit den älteren Pferden.

Im Vorjahr wurde die Union von Shimrano gewonnen, der als Derby-Favorit in Hamburg dann enttäuschte. Stattdessen trat eindrucksvoll der Unions-Dritte, Nutan, auf den Plan und sicherte sich mit fünf Längen das „Blaue Band“. 2014 gewann der überragende Sea The Moon sowohl Union und Derby. Ein Kunststück, das seit der Jahrtausendwende sowohl Next Desert (2002), Dai Jin (2003) und Wiener Walzer (2009) schafften. Zudem war Boreal 2001 Dritter in der Union und gewann danach das Derby.

Das Oppenheim-Union-Rennen steht damit in der Liste der Derby-Vorprüfungen ganz oben. Doch der Reihe nach: Traditionell gilt der Gewinner des Preis des Winterfavoriten, dem wichtigsten Zweijährigen-Rennen in Deutschland, über die Wintermonate als Derbyfavorit. Die Siegerliste kann diese Einschätzung jedoch nicht bestätigen: Seit dem Jahr 2000 landete keiner ganz vorne im Derby. Das besagt nichts Gutes für den Sieger von 2015, Isfahan. Allerdings bestätigte er seine Rolle als echter Derby-Kandidat mit dem Gewinn der Bavaria Classic (Gr.3). Denn das Münchner Derby-Trial hat mit Lucky Speed (2013) und Samum (2000) immerhin zwei spätere Derbysieger gesehen. Ob Isfahan aber wirklich diese Klasse hat, kann sich erst in Hamburg zeigen. Er ist nicht in der Union dabei. Und sein letzter Auftritt im Italienischen Derby enttäuschte doch.

Nicht dabei ist auch Millowitsch, der Gewinner des Gruppe-3 Dr. Busch-Memorials, das in der jüngeren Vergangenheit mit Next Desert und Samum immerhin zwei spätere Derbysieger aufweisen kann. Als ein echter Derby-Test hat sich der Frankfurter Frühjahrspreis, der in diesem Jahr erstmals in Baden-Baden als Ittlingen Derby Trial gelaufen wurde, erwiesen: Sea The Moon, Lucky Speed und Kamsin (2008) stechen hervor. Der Gewinner von 2016, Wai Key Star, geht direkt ins Derby, aber die Platzierten El Loco und San Salvador wollen die Union möglicherweise nutzen, um sich das Derbyticket endgültig zu verdienen.

Nicaron, Schiaparelli und Adlerflug – von 2005 bis 2007 war der spätere Derbysieger auch im Trial von Hannover erfolgreich. Einiges spricht dafür, dass dies auch in diesem Jahr so ist. Denn der von Christian Sprengel in Hannover trainierte Boscaccio hat noch keine Fehler gemacht. Er ist bei drei Starts ungeschlagen. Sein souveräner Erfolg im Derby Trial auf der Heimatbahn bekräftigte seine Position als klarer Derbyfavorit. Doch der nächste große Test kommt nun in Köln, im 181. Oppenheim-Union Rennen. Es ist die Zeit der Champions!