Trainingszentrale

Eine Großstadt schläft nie lange. Vielleicht sogar überhaupt nicht. Wenn in Kölns Altstadt noch die Lichter brennen und die Nacht zum Tage gemacht wird, klingeln jedenfalls kaum weit weg davon schon zahlreiche Wecker. Beispielsweise für all die Frauen und Männer, die am Großmarkt beschäftigt sind. Oder für jene in schneeweißer Kluft, die in aller Herrgottsfrühe in ihren Backstuben stehen.
Wo Meister, Gesellen und Lehrlinge bereits ihre Tagwerke beginnen, während die letzten Nachtgeister in den Bars und Kneipen nicht einmal beim „Absacker“ oder bei der bereits von Reinhard Mey besungenen finalen Zigarette und dem letzten Glas im Stehn angekommen sind.
Schon vor dem ersten Hahnenkrähen aufstehen, heißt es auch für alle Leute, deren Arbeitsplatz die Galopprennbahn im Weidenpescher Park ist. Vor allem immer in den Sommermonaten. Nicht zuletzt heißt das tägliche Training der Pferde in der Terminologie des Turfs ja auch: Morgenarbeit.
Es sind jene frühen Stunden, in denen die Vollblüter auf den Trainingsbahnen des 55 Hektar großen Geländes zwischen den Vororten Niehl und Weidenpesch an der nördlichen Peripherie der Stadt bewegt werden.
Hier beginnt jeder Tag mit dem ersten „Stehfutter“ für die Pferde. Es handelt sich hierbei um keine allzu riesige Ration Hafer, da sich mit vollem Magen ja bekanntlich selten gut Sport treiben lässt. Doch das kleine erste Frühstück überbrückt dem Pferd nach der Nachtruhe sehr angenehm die Zeit, wenn erst einmal seine Box ausgemistet wird und danach noch das Strohlager für den heran brechenden Tag „eingestreut“ wird.
Kurz darauf geht das Training jedoch bald los. Erst immer im Schritt. Danach im Trab zum Aufwärmen und wenig später dann im Galopp. Je nachdem, wie der Trainer die Arbeitseinheiten dosiert, geht’s mal schnell, mal weniger schnell. Manchmal auch ganz ruhig, nur so zur Entspannung.
Das tägliche Programm ist individuell zugeschnitten auf Verfassung und Typ des Pferdes. Oder ob es vielleicht gerade einen Renneinsatz hinter sich oder erst noch vor sich hat. Raus aus dem Stall müssen die vierbeinigen Leistungssportler allerdings jeden Tag, schon zum eigenen Wohlbefinden. Egal, wie launisch sich das Wetter auch gebärden mag.
Selbstverständlich geschieht jeder Schritt und Tritt unter den wachsamen Augen der Trainer oder ihrer Assistenten und Futtermeister, wie es noch so schön antiquiert in der Vollblutfachsprache heißt. Die Futtermeister sind jedoch keineswegs allein nur für das leibliche Wohl von Hengsten, Wallachen oder Stuten zuständig. Sie sind in der Regel genauso exzellente Fachleute wie die Trainer. Oft erkennen sie schon beim ersten Hinsehen die jeweilige Verfassung des ihnen anvertrauten Vollblutadels.
Es herrscht Tag für Tag eine besondere Atmosphäre in diesen frühen Stunden auf der Rennbahn. Vor allem im Frühjahr und im Herbst, wenn sich die Nebelschleier erst langsam vom taufeuchten Gras lösen und die Sonne noch leicht schläfrig aufgeht, dann aber ein dafür umso romantischeres Licht zaubert. An solchen Tagen ist die Stimmung nahezu einzigartig, und selbst ein Maler wie Caspar David Friedrich wäre davon bestimmt inspiriert gewesen, wenn er sie einmal hätte erleben können.
Gleichzeitig herrscht eine magische Stille. Die alles fast noch unwirklicher erscheinen lässt. Sämtliche Geräusche der nahe heranreichenden Großstadt sind nur vage zu vernehmen. Lautes in jeder Form zerschellt am Zaun und am prächtigen Baumbestand, welche die Rennbahn umsäumen. Was diese Ruhe stören könnte, findet keinen Einlass in dieses einzigartige Theater, bei dem Morgen für Morgen dieselbe Aufführung auf dem Spielplan steht.
Die Kirchenstille wird ab und an lediglich unterbrochen von nur ein und demselben Geräusch, vom Hufschlag der galoppierenden Pferde. Zuerst ist der Takt für die meist einsamen Beobachter der Szenerie nur leise zu vernehmen, dann aber nimmt die Phonstärke schnell zu, und der seit Jahrtausenden ewig selbe Rhythmus des Galopps wird zunehmend hörbarer.
Insbesondere in diesen speziellen und noch wie verschleiert daherkommenden Morgenstunden bekommen die anfangs eher abstrakten, aber immer größer werdenden Punkte erst langsam Konturen und verwandeln sich in dem Moment, wenn sie allmählich nah genug herangekommen sind, im Handumdrehen in ein Ballett aus Energie, Kraft und Harmonie. Eine nur kurze Impression von einzigartiger Schönheit. Eben für den einen Augenblick, bis das tanzende Pferdeballett vorbeigaloppiert ist und die vertraute Stille umgehend wieder zurückkehrt. Die gerade noch galoppierende Kavallerie reduziert sich derweil zurück in ihre ursprüngliche Form, nun jedoch in stetig kleiner werdende Punkte.
Doch dauert es keineswegs allzu lange, und es kommen schon die nächsten herangestürmt. Und dahinter sind bereits wieder welche. Insbesondere wenn „Lots“, so nennt man im Fachjargon die arbeitenden Pferdegruppen, der Trainer Waldemar Hickst und Peter Schiergen auf der Bahn sind, herrscht stets Hochbetrieb. Beide betreuen jeweils weit über hundert vierbeinige Schützlinge und unterhalten damit die mit Abstand größten Ställe im Weidenpescher Park.
Das gesamte Jahr über logieren in allen Weidenpescher Ställen zusammen ständig weit mehr als 400 Rennpferde. Köln ist damit der bedeutendste Galoppstandort des Landes. Dies allerdings keineswegs nur ob der beachtlichen Quantität seiner Pferdebewohner. Vielmehr wird hier zugleich ein Großteil der deutschen Spitzenvollblüter auf ihre Starts im In- und Ausland vorbereitet.
Darüber hinaus genießt der Weidenpescher Park den Ruf, eine Kaderschmiede für künftige Derby-Sieger zu sein. In den vielen Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg reiste immer das größte Heer aus Köln und nie aus einer anderen deutschen Stadt Anfang Juli gen Norden. Dementsprechend oft wurde am ersten Sonntag dieses Monats auch das so genannte Blaue Band aus Hamburg-Horn nach Köln geholt. Zuletzt noch in der Saison 2008, als Kamsin aus dem Stall von Peter Schiergen in der Hansestadt erfolgreich war und gleichzeitig ganz Galopp-Deutschland begeistert hatte.
Neben Peter Schiergen und dem ebenfalls schon erwähnten Waldemar Hickst zählen aktuell noch weitere sieben sowohl im deutschen als auch im internationalen Turf bekannte Namen zum domstädtischen Trainerkollegium. Angefangen bei dessen Nestor Andreas Löwe über Manfred Hofer, Peter Remmert, Ralf Suerland, Andreas und Michael Trybuhl bis hin zu Sarah Weis. Sie ist fast so etwas wie eine Quotenfrau in einer klassischen Männerdomäne. In der frühes Aufstehen keineswegs nur in Köln einfach mit zum Geschäft gehört.
Nachfolgend finden Sie die aktuellen Kontaktdaten der Kölner Trainer:
Waldemar Hickst: 02234-69 78 64
Andreas Löwe: 0221-74 66 99
Peter Schiergen: 0221-270 45 25
Andreas Trybuhl: 0221-9 74 32 80
Michael Trybuhl: 0172 – 20 13 727
Sarah Weis: 0170-231 29 71
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